Die GeräuschKamera und das Gehör der Eule

Jeder erkennt sie an ihrem unverwechselbaren Gesicht: das Eulengesicht ist eine runde Scheibe mit großen nach vorn blickenden Augen. Dazu hat sie ein großes flauschiges Feder-kleid, das den Körper bedeckt. Wenngleich die Augen der Eule sehr gut sind, so dass sie bei Nachtsicht zwei- bis dreimal besser sehen kann als der Mensch, so ist das wahrlich starke Sinnesorgan der Eule das Gehör. Gerade wenn die Dunkelheit eintritt und damit für sie die Jagdzeit nach Mäusen beginnt, muss sich die Eule auf ihre hochsensiblen Ohren verlassen. Denn bei absoluter Finsternis sehen auch Eulenaugen zu wenig. So nimmt die Schleiereule beispielsweise mit Hilfe ihres großen Gesichtsschleiers kleinste Geräusche auf. Der Schleier funktioniert ähnlich wie ein Parabol-spiegel, bündelt und verstärkt die akustischen Signale. Der Gehörgang der Schleiereule befindet sich dabei unter einer Hautfalte zwischen innerem und äußerem Schleier.

Wie präzise solch eine Eule hören kann, das bewies uns Eulenexperte Karl Fischer vom Wildgehege Hellenthal, der einen Sperlingskauz (die kleinste Eulenart Europas), einen Bartkauz, einen Uhu und die Schleiereule Tom mitbrachte. Tom flog zuerst zu Fischers Kollegin, die sich im Publikum befand und sollte nun wieder zurück zu Ranga Yogeshwar oder Karl Fischer fliegen - und zwar zu der Person, die auf ihren Handschuh klopfte. Während Fischer nun nur so tat, als ob er auf den Handschuh klopfte, tat Ranga dies tatsächlich. Dieses Rufzeichen nahm Tom aus über 20m Entfernung wahr und flog zielstrebig auf Ranga zu. Für einen Menschen wäre diese Sinnesleistung und Zuordnung der Schallherkunft unmöglich, zumal die beiden potenziellen Geräuschgeber sehr dicht nebeneinander standen. Wie schafft die Eule das? Wie kann sie zum Beispiel sogar eine Maus orten, die sich unter einer dicken Schnee- oder Laubdecke bewegt?

Das Geheimnis liegt in der Anordnung der Ohren. Durch eine asymmetrische Anordnung der Gehöröffnungen nimmt die Schleiereule das Geräusch zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten wahr und kann diese Differenz blitzschnell erfassen und zugleich räumlich orten. Dabei reicht bereits eine Zeitdifferenz von 0.00003 Sekunden aus.

Nach dem Prinzip der Eule haben Wissenschaftler eine Akustische Kamera konstruiert, die Schallwellen exakt lokalisiert und darüber hinaus visuell darstellen kann. So zeichnen 40 im Kreis angeordnete Mikrofone den Schall auf, während eine in der Mitte befindlich Kamera das Bild filmt. Der zeitliche Versatz, in dem der Schall auf die unter-schiedlichen Mikrofone auftritt, wird vom Computer errechnet und in ein Bild umge-setzt. Kombiniert mit dem Kamerabild kann man nun die Geräusch-quellen sehen und durch die unter-schiedliche Einfärbung Frequenzen und Lautstärke der Geräusche unterscheiden.

Die Kamera wird bereits erfolgreich u.a. bei der Fehlervisualisierung eingesetzt. So lässt sich mit Hilfe einer solchen Kamera zum Beispiel feststellen, wo exakt der Schaden in einem Motor vorliegt, so dass dieser ohne zeitaufwändige Maßnahmen zielgerichtet behoben werden kann.

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